Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Schilddrüsenerkrankung. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa vier bis acht Millionen Menschen an dieser Autoimmunkrankheit, bei der Immunzellen die Schilddrüse angreifen, was zu einer Schilddrüsenunterfunktion bis hin zur kompletten Schädigung der Schilddrüse führen kann.

Welche Ernährung sich zum Ausbremsen der Autoimmunerkrankung anbietet, lässt sich schwer beantworten. Mit anderen Worten:“ Es führen viele Wege zum Ziel!“ Hier bedarf es einer sehr individuellen Betrachtungsweise, da jeder unterschiedlich auf bestimmte Ernährungsformen reagiert. Was für den einen gut ist, kann für den anderen vielleicht schädlich sein.

Drei Faktoren bestimmen den Autoimmunprozess der Schilddrüse:

  • Genstruktur
  • Darmdurchlässigkeit (Leaky Gut)
  • Auslöser

Wie wir wissen, ist die Genstruktur bei jedem Menschen fest vorgegeben. Diese lässt sich nicht verändern. Jedoch können wir dessen Ausprägung beeinflussen, indem wir die Auslöser (z. B. Stress oder falsche Ernährung) und die Barrierestörung des Darms beseitigen. Beispielsweise könnte schon die Vermeidung von Gluten, was eines der Hauptgründe für die Durchlässigkeit der Darmwand ist, zu einer erheblichen Verbesserung der Symptome führen. Bei anderen Betroffenen genügt unter Umständen die Veränderung der Lebensbedingungen wie die Bekämpfung von Bakterien- und Vireninfektionen durch Darmaufbaukuren sowie eine vollständige Ernährungsumstellung.

Weitere Maßnahmen, die sich dafür anbieten, sind Stressvermeidung durch Ausgleichssport, also Entspannungsübungen wie Yoga, autogenes Training o. ä. und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, Senkung des Blutzuckerspiegels sowie die Vermeidung von unverträglichen Nahrungsmitteln.

Nachstehend haben sich zahlreiche Ernährungs- und Diätformen dafür angeboten:

  • Die Paläo-Ernährung (Steinzeit-Diät)
  • Die GAPS-Diät
  • Spezielle Kohlenhydratdiät (SCD)
  • Sojafreie Ernährung
  • Ernährung ohne Milchprodukte
  • Jodfreie Ernährung
  • Feingold-Diät

Grundsätzlich sollte die Ernährung sehr viele Nährstoffe enthalten und möglichst frei von Pestiziden sein.

Eines haben alle Diäten gemeinsam: Das Meiden unterschiedlicher Nahrungsmittel, die zu Unverträglichkeiten führen. Bei den meisten dieser Ernährungsmethoden sind die tierischen Proteine ein fester Bestandteil, da diese eine höhere Nährstoffdichte als Produkte aus den westlichen Ländern aufweisen. Es wird empfohlen, auf industriell verarbeitete Nahrungsmittel zu verzichten. Kaufen Sie nach Möglichkeit Lebensmittel in Bio-Qualität. Diese können Sie in Reformhäusern oder bei regionalen Bauern erwerben. Weitere Abhilfe schaffen heilungsfördernde Lebensmittel wie Gelatine und milchsauer Vergorenes (z. B. Sauerkraut, Essiggurken).

Macht es Sinn, auf eine vegetarische oder vegane Kost umzusteigen?

Sicherlich kann es grundsätzlich nicht schaden, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren. Jedoch hat unsere Recherche ergeben, dass es sich nicht bewährt hat, auf diese Kost umzusteigen. Aktuell gibt es noch keine Patienten, die aufgrund einer veganen Ernährung von ihrer Autoimmunkrankheit Hashimoto geheilt sind. Laboruntersuchungen einer Versuchsgruppe ergaben, dass diese weiterhin Krankheitssymptome, niedrige Körpertemperatur und eine Hypothyreose aufwiesen.

Laut Berichten haben sich bei vielen Hashimoto-Betroffenen die Symptome verbessert, nachdem diese ihre Ernährung nach der Paleo-Diät (Steinzeit-Ernährung) umgestellt haben. Im Allgemeinen kommt man zu der Ansicht, dass tierische Proteine bei der Heilung von Hashimoto-Betroffenen mit beteiligt sind. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass ein überwiegender Verzehr von Fleisch und Fetten möglicherweise zu einer Übersäuerung des Körpers führen könnte und den Genesungsprozess aufschiebt. Deshalb empfiehlt sich eine Ernährungsweise mit viel nährstoffreichem Gemüse (Vorschlag: 20 % Fleisch zu 80% Gemüse).

Bei Menschen, die Probleme mit der Proteinverdauung haben, empfiehlt sich eine vegane sowie eine Rohkosternährung, vor allem für die Reinigung und Entgiftung des Körpers. Dies kann man einige Tage bis Wochen vornehmen. Während dieser Phase sollte man zusätzlich Vitamin B12 und Eisen bzw. Ferritin als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, damit sich kein Mangel einstellt. Häufig werden Eisen-Supplemente nicht so gut vom Körper aufgenommen, sodass Mediziner von Zeit zu Zeit zu Eiseninfusionen raten, um den Ferritinspeicher (Speichereiweiß für Eisen) wieder aufzufüllen. Dieser sollte bei Frauen zwischen 10 und 120 µg/l betragen und bei Männern zwischen 20 und 250 µl/l. Im Alter steigen hier die Grenzwerte. Frauen, die kurz vor den Wechseljahren stehen, haben meist das Problem, dass sie während ihrer Periode stark bluten, sodass sie recht viel Ferritin verlieren und daher ihren Laborwert regelmäßig kontrollieren bzw. auffüllen lassen sollten.

Alternativ empfiehlt sich ebenso eine halbvegane oder morgenvegane Ernährung. Demnach würde man sich morgens und mittags vorwiegend vegan (Nüssen, Samen, Gemüse) ernähren, während man abends eine fleischhaltige Mahlzeit verzehrt.

Welche Methode eignet sich?

Hier eine Aussage zu treffen, welche Methode sich nun für wen eignet, ist schwer zu sagen. Menschen mit Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, GERD, Magenschmerzen, die regelmäßig orale Verhütungsmittel (z. B. Pille) oder Antibiotika einnehmen bzw. sich sehr kohlenhydratreich ernähren, benötigen länger, um ihre Hashimoto-Erkrankung in den Griff zu bekommen. Betroffene sollten auf jeden Fall Vorkehrungen in ihrer Ernährungs- und Lebensweise treffen.

Warum leiden viele Hashimoto-Erkrankte am Leaky Gut-Syndrom?

Seit den 1980er Jahren machen sich Forscher auf die Suche nach dem undichten Darm (Leaky Gut-Syndrom). Die Ursachen können sein:

  • Bakterielle Überwucherung des Dünndarms
  • Fehlbesiedlung des Darms (Dysbiose)
  • Candida Albicans
  • Parasiten
  • Lebensmittel-Unverträglichkeitsreaktionen

Gibt es die ideale Ernährungsweise?

Unter Berücksichtigung von Ernährungsrichtlinien für die Remission, sprich das Abschwellen von Symptomen, von Hashimoto-Thyreoiditis spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • Zusammensetzung der Darmflora
  • Mögliche Blutzuckerschwankungen
  • Reaktionen auf Nahrungsmittel
  • Mögliche Infektionen
  • Allgemeine Nährstoffaufnahme

Hier sollten sich Betroffene einen professionellen Ernährungsberater suchen, der in der Lage ist, einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen.

FODMAP-arme und Paleo-Ernährung?

Das Handicap dieser beiden Ernährungsformen ist, dass sie die individuelle Situation der Hashimoto-Erkrankten nicht berücksichtigen. Der eine Patient verträgt Milchprodukte, während der andere stark darauf reagiert.

Die Paleo-Ernährung beinhaltet viel Gemüse, tierische Proteine, Obst, kein Getreide sowie keine Hülsenfrüchte. Man vermeidet grundsätzlich alles, was nicht gut für den Darm und die Gesundheit ist:

  • Milchprodukte
  • Gemüse und Getreide, welche Lektine (unter anderem Gluten) enthalten
  • Industrielle Lebensmittel
  • Gentechnisch verarbeitete Lebensmittel
  • Zucker

In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen das Buch „Paleo für Einsteiger – 30 Tage Challenge und 55 leckeren Rezepten“ von Martin Struck sowie unser E-Book „Leben und Kochen mit Hashimoto an die Hand geben. Dies ermöglicht Ihnen den erfolgreichen Start in ein gesünderes und vitaleres Leben.

Spezielle Kohlenhydratdiät (SCD), GAPS- und Body-Ecology-Diät

Diese drei Diätformen legen ihren Fokus auf die Verschließung der Darmschleimhaut. Damit sich der Verdauungsprozess erholt, empfehlen Ernährungsberater, vorwiegend auf unverträgliche Lebensmittel zu verzichten und verweisen zusätzlich auf gezielte Nahrungsergänzungsmittel und Probiotika.

Durch eine Art Einführungsphase, steigert man bei Patienten nach und nach die feste Nahrung, ähnlich wie wir es bei Säuglingen kennen. Für den Anfang bieten sich also leicht verdauliche Brühen oder Suppen an. Später ergänzt man diese Nahrung dann um Fleisch- und Gemüsegerichte, gekochtes Obst, Obstsäfte und zuletzt rohes Obst und Gemüse. Alle vier Tage wird ein neues Nahrungsmittel ergänzt.

Der Begriff GAPS ist eine Abkürzung von „Gut und Psychology/Physiology Syndrome“. Die GAPS-Diät beruht auf der Verwendung von natürlichen Lebensmitteln, Fleischbrühen und Fermentiertem. Dies fördert die Darmgesundheit und heilt psychische und mentale Schäden. Diese Diät, die zunächst recht ballaststoffarm anfängt, entzieht den pathogenen Bakterien den Nährboden.

Bei der SCD-Diät (Spezielle Kohlenhydrat-Diät nach Drs. Haas) werden auch überwiegend natürliche Nahrungsmittel gegessen, also vorwiegend Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Eier, Honig, Nüsse, Samen, spezielle Käsesorten und selbstgemachter Joghurt. Auf industrielle Produkte wird dabei gänzlich verzichtet.

Bei der Body Ecology-Diät verwendet man hauptsächlich natürliche Nahrungsergänzungsmittel sowie Körperreinigungsprodukte, die den Körper entgiften, verbessern und die Gesundheit wiederherstellen können. Dabei handelt es sich um Gesundheitsprodukte, Reinigungsmittel, Probiotika und Verdauungsenzyme, die von der amerikanischen Autorin und Radiomoderatorin Donna Gates entwickelt wurden, um die innere Harmonie wiederherzustellen, die Vitalität wiederzugewinnen und sich jünger und stärker zu fühlen. Die Body Ecology Diet war die erste ihrer Art – zuckerfrei, glutenfrei, kaseinfrei und probiotisch reich. Sie ist eine Form der Anti-Candida-Diät, die insbesondere für Hashimoto-Erkrankte sehr von Vorteil sein kann. Im Vergleich zur GAPS- und SCD-Diät, die eine getreidefreie Ernährung sowie den Verzehr von Nüssen, Obst und Säften miteinschließen, befasst sich die Body Ecology-Diät mit leicht verdaulichen Lebensmitteln und schränkt den Verzehr von Obst und Nüssen ein. Damit versucht man, Bakterien und Hefen einzudämmen. Darüber hinaus werden basische Nahrungsmittel bevorzugt, um den Körper sanft zu entgiften.

Trotz dieser Diäten mit Probiotika-Einnahmen, geschieht der Aufbau der Darmflora sehr langsam. Der Prozess kann mindestens 2 Jahre lang dauern, bis sich der Darm wieder erholt und die pathogenen Bakterien ersetzt wurden. Daher sollte man diese Diäten noch mindestens ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen, bis die Symptome vollständig zurückgegangen sind. Erst dann sollte man neue Nahrungsmittel in den Speiseplan mit aufnehmen. Während dieser Zeit empfehlen sich regelmäßige Labor- und Stuhluntersuchungen, um den Darm zu beobachten.

Bei manchen Personengruppen fehlen entsprechende Verdauungsenzyme, um Nährstoffe entsprechend zu verdauen. Häufig gibt es Krankheitsfälle, bei denen die Darmflora stark geschädigt ist, sodass sich in diesem Fall eine eher ballaststofffreie Ernährung (GAPS-Diät oder FODMAP-arme Diät), also leicht verdauliche Nahrungsmittel, empfiehlt. Eine bakterielle Besiedlung des Dünndarms kann die Ursache für eine spätere Hashimoto-Erkrankung mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle vorgestellten Diäten wie GAPS, SCD, FODMAP-arme Diät, Body-Ecology-Diät sowie die neue im Trend liegende Paleo-Ernährung Empfehlungen sind, eine bakterielle Darmbesiedlung entgegenzusteuern. Dabei geht es um die Wiederansiedelung und Förderung von guten Bakterien, die oft durch vergangene Antibiotika-Behandlungen, zerstört wurden. Ferner kommt man zu dem Schluss, dass die Nahrungsmittelintoleranzen (IgG-/IgA-Intoleranzen) eine Folge des Leaky Gut-Syndroms (Darmdurchlässigkeit) sind. Maßnahmen, wie die anfängliche Säuglingsdiät mit paralleler Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen sowie die spätere Aufnahme von anderen, schweren verdaulichen Nahrungsmitteln, könnten sich als sehr hilfreich erweisen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist besonders wichtig, da viele wichtige Nährstoffe und Vitamine durch die Einführungsdiät verloren gehen. Personengruppen, die an einer Protein-Resorptionsstörung durch Magensäuremangel leiden, können sich durch Maßnahmen wie Saftfasten, Einführungsdiät o. ä. helfen.

Anmerkung:

Bei allen Maßnahmen zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen empfehlen wir Ihnen im Vorfeld die Kontaktaufnahme mit einem ganzheitlichen Mediziner oder Heilpraktiker, der im Vorfeld ein großes Blutbild bestimmen kann, um zu sehen, welche Nährstoffmängel oder etwaige Darmprobleme vorliegen. Auf dieser Basis lässt sich dann ein angemessener und indviduell abgestimmter Ernährungs- und Behandlungsplan erstellen.

Autor: Marion Bunse, Ernährungs- und Gesundheitscoach, Bloggerin

Bildnachweis: Adobe Stock © Arturo

Izabella Wentz, Dr. Marta Nowosadzka (2019), Hashimoto im Griff: Endlich beschwerdefrei mit der richtigen Behandlung. Die Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung-bei-hashimoto.html

https://www.paleo360.de/gesundheit/hashimoto-ernaehrung/

https://www.hashifit.de/

0 0 votes
Artikelbewertung