Bei der Autoimmunhepatitis (kurz AIH) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit der Leber, die sowohl chronisch-entzündlich als auch akut verlaufen kann. In Folge der Krankheit greift das körpereigene Immunsystem die Leberzellen an und löst dadurch Hepatitis aus. In Europa erkranken jedes Jahr ca. ein bis zwei von 100.000 Einwohnern an AIH und verlieren so die Immuntoleranz ihrer Leber. Typisch für die Autoimmunhepatitis ist, dass sie sich mit schweren Krankheitszeichen zeigt und unbehandelt tödlich endet.

Ursachen und Diagnose von Autoimmunhepatitis

Die Leberentzündung der Autoimmunhepatitis entsteht durch ein fehlreguliertes Immunsystem, dessen Ursachen aber noch nicht nachweislich geklärt sind. Experten halten die genetische Veranlagung für möglich. Als Auslöser (äußere Faktoren) werden Antigene, Toxine sowie diverse Viren vermutet – wie die der Masern, der Hepatitis A bis D-Typen und von Herpes, die sich allerdings im Krankheitsverlauf nicht nachweisen lassen.

Bei 80 Prozent der Betroffenen ist im Labor ein Anstieg der Antikörper und von Immunglobulin G nachweisbar, die gegen Zellkerne, Muskelfasern und Leberzellen arbeiten, was die Diagnostik unter Umständen erleichtert. Häufig ist auch der Bilirubinwert erhöht. Allerdings können dies auch Indizien für andere Erkrankungen sein. Zudem sind diese erhöhten Werte nicht für die chronische Autoimmunhepatitis verantwortlich, sondern weisen lediglich serologisch darauf hin.

Wegen der Diversität des Spektrums der Antikörper werden heute drei Typen der AIH unterschieden, deren Typisierungen sich aber auch überschneiden können.

  • Typ 1 kommt am häufigsten vor und belegt bei bis zu 70 Prozent der Patienten einen erhöhten Antikörperwert, wobei SMA-Antikörper fast immer nachweisbar sind. Fast die Hälfte der Erkrankten entwickelt eine Leberzirrhose. Dennoch stehen die Zeichen einer Therapie unter einem guten Stern.
  • Typ 2 betrifft in etwa 10 Prozent der Erkrankten, zumeist in jungen Jahren, und weist sich durch LKM-Antikörper aus. Jene kommen bei anderen Typen der Autoimmunerkrankung nicht vor. Der Verlauf ist einer akuten Hepatitis ähnlich und bei vielen Patienten kommt es irgendwann zur Leberzirrhose.
  • Typ 3 fand früher Anwendung bei LP/SLA Antikörpern. Doch mittlerweile wird er mit dem Typ 1 gleichgesetzt und nur noch als Variante betrachtet.

Neben der Blutanalyse kann eine feingewebliche Untersuchung zur Diagnose herangezogen werden, die den Grad der Entzündung bestimmt. Mithilfe von Ultraschall lassen sich Gewebeveränderungen feststellen, die allerdings nicht zwingend auf eine chronische Autoimmunhepatitis hinweisen müssen und andere Ursachen haben können.

Symptome und Verbreitung von AIH

Bei der AIH entstehen sogenannte Autoantikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen der Leber „wehren“ und diese letztlich zerstören. Dies wird durch aufkommende Beschwerden spürbar.

Diese Symptome treten bei AIH auf:

  • Müdigkeit und Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Fieber
  • Gelenkschmerzen und Leistungsschwäche
  • Schwindel
  • Schmerzen in Kopf und Bauch
  • Gelbsucht, wenn Bilirubin nicht ausreichend abgebaut wird
  • Blutarmut
  • autoimmune Entzündungen von Schilddrüse, Dickdarm, Haut, Gefäßen und Brustfell

Dass andere Autoimmunerkrankungen bei der Autoimmunhepatitis auftreten, ist ebenfalls symptomatisch, wie zum Beispiel:

Für rund ein Fünftel der chronischen Lebererkrankungen ist die AIH verantwortlich. Sie betrifft mit etwa 80 Prozent zumeist Frauen und kann in jedem Lebensalter in Erscheinung treten. Viele Neuerkrankungen entstehen allerdings noch dem 30. Lebensjahr.

Bemerkenswert ist, dass ältere Patienten häufiger einen schleichenden Verlauf von AIH erleben und mit weniger schweren Symptomen zu kämpfen haben.

Mögliche Therapien und Prognose bei Autoimmunhepatitis

Aus Sicht der Schulmedizin gibt es derzeit keine Therapie für die Ursachen von Autoimmunhepatitis, da diese nicht hinreichend bekannt und belegt sind. Dennoch sind Therapien mit Medikamenten möglich, die das Immunsystem dämpfen. Diese sogenannten Immunsuppressiva hemmen entzündliche Prozesse, die in der Leber stattfinden. So werden Symptome behandelt und weitere Leberschäden verhindert, die bis zum Leberversagen führen können. Die Behandlung der drei AIH-Typen unterscheidet sich nicht.

Die medikamentöse Therapie bei AIH-Patienten basiert zumeist auf der Kombination der beiden Wirkstoffe Azathioprin und Prednisolon. Dies hat zur positiven Folge, dass das kortisonhaltige Präparat Prednisolon niedriger dosiert und unter Umständen schneller abgesetzt werden kann, wodurch sich Nebenwirkungen einer längeren Kortisontherapie ausschließen lassen. Allerdings gibt es viele Fälle, die diese Therapie lebenslang fortführen müssen.

Mittlerweile ist das synthetische Glucocorticoid Budesonid in Deutschland zugelassen, welches geringere Nebenwirkungen hervorrufen soll.

Führt eine medikamentöse Behandlung nicht zum erwünschten Behandlungserfolg, besteht die Möglichkeit einer Lebertransplantation, die allerdings das zukünftige Auftreten der AIH nicht ausschließt.

Die Lebenserwartung der Patienten mit Autoimmunhepatitis liegt bei ca. 90 Prozent, sofern eine adäquate Therapie durchgeführt wird und die Betroffenen darauf ansprechen.

Tipps zur unterstützenden Behandlung von AIH

Nachstehend bekommen Sie sechs allgemeine Tipps zur unterstützenden Behandlung von AIH, die aber keine Diagnose oder ärztliche Therapie ersetzen. Es ist zudem empfehlenswert, Ihre Vorgehensweise mit Ihrem ganzheitlichen Arzt abzusprechen.

  1. Da bei der therapeutischen Verabreichung von Kortison Osteoporose begünstigt wird, sind vorbeugende Einnahmen von Kalzium und Vitamin D ratsam.
  1. Da die medikamentöse Therapie häufig zu Nebenwirkungen führt und stetig überwacht werden sollte, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt obligatorisch und sollten fest eingeplant werden.
  1. Da die Lebergesundheit massiv unter der AIH leidet, sollte der belastende Konsum von Alkohol und Nikotin vermieden werden.
  2. Ebenso kann die Anwendung einer bestimmten Auswahl an Pflanzen in Form eines Lebertees wie beispielsweise Kurkuma, Mariendistel, Artischockenblätter, Löwenzahnwurzel, Ingwer, Brennnessel und die Javanische Gelbwurzel eine positive Reaktion auf die Leber bewirken. Diesen Tee können Sie in Apotheken oder Reformhäusern beziehen.
  1. Da sich der Zustand des Darms bzw. die Darmgesundheit auf die autoimmune Hepatitis auswirken kann, sollte darauf besonderen Wert gelegt werden. Ganzheitliche Ernährung und ausreichend Bewegung tragen dazu bei. Achten Sie auf eine überwiegend eiweißreiche Kost, Rohkost, Ballaststoffe und Vitamine bzw. Mineralien. Vor allem Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin A, B, C und D3 in Kombination mit K2 sowie Schwefel (MSM) werden dabei entgiftungsfördernd für die Leber empfohlen. Eine zusätzliche Einnahme von 2-3 g N-Acetyl-Cystein pro Tag können die Leber weiterhin unterstützen.
  1. Um in Verbindung mit AIH häufig vorkommenden Diabetes mellitus schnell zu erkennen, sollten Sie Ihren Blutzuckerspiegel in regelmäßigen Abständen kontrollieren lassen.

Ernährung bei Autoimmunhepatitis

Die Art und Weise der Ernährung lässt sich auch bei gesunden Menschen an der Leber ablesen und ist für Betroffene von Autoimmunhepatitis noch viel wichtiger. Zu fette und zu viele zuckerhaltige Speisen und Getränke belasten die Leber zusätzlich. Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass Lebererkrankungen Nähstoffmängel an Vitaminen und Spurenelementen hervorrufen. Um weitere daraus resultierende Symptome zu vermeiden, ist eine gesunde leichte Vollkost sehr zu empfehlen. Allerdings sollten etwaige Nahrungsmittelunverträglichkeiten dabei berücksichtigt werden.

Ebenfalls bedeutend: Bei der Umstellung auf entlastende vegetarische Ernährung sollte auf eine ausreichende Versorgung an notwendigen und gesunden Nährstoffen geachtet werden, damit diese Ernährungsform nicht kontraproduktiv zum Tragen kommt.

Anmerkung:

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass alle hier genannten Empfehlungen keine Diagnostik oder ärztliche Behandlung ersetzen und auch keine individuellen Gesundheitsaussagen oder Heilversprechen treffen.

Autorin: Marion Bunse, Ernährungs- und Gesundheitscoach, Bloggerin

Bildnachweis: Adobe Stock © Tobias Arhelger

https://de.wikipedia.org/wiki/Autoimmunhepatitis

https://www.netdoktor.de/krankheiten/hepatitis/autoimmunhepatitis

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/suche?pattern=autoimmunhepatitis

https://www.krankenkassenzentrale.de/wiki/lebererkrankungen

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