Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die eine besondere Form des Rheumas bezeichnet. Der lateinische Name Spondylitis ankylosans, der übersetzt „versteifende Wirbelsäulenerkrankung“ bedeutet, sagt aus, was die Krankheit anrichten kann. Einigen Quellen zufolge leiden in Deutschland rund 150.000 an diagnostiziertem Morbus Bechterew, wobei Schätzungen von 1,6 Millionen Menschen mit milden Symptomen ausgehen. Das Fatale an Morbus Bechterew ist, dass er zu weiteren, teilweise gefährlichen Folgeerkrankungen führen kann und unbehandelt die Lebensqualität enorm einschränkt.

Ursachen und Diagnose von Morbus Bechterew

Morbus Bechterew zählt zur Gruppe der Erkrankungen der Wirbelsäulengelenke, aber seine Ursachen konnten von der Medizin bislang nicht abschließend geklärt werden. Als ursächlich werden genetische Veranlagungen und Fehlfunktionen des Immunsystems vermutet, weswegen sich die Einordnung zur Reihe der Autoimmunerkrankungen tätigen lässt. Dies wird gestützt dadurch, dass Morbus Bechterew anscheinend in Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen steht – wie beispielsweise mit der Autoimmunkrankheit Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa.

Die schmerzhaften Entzündungen von Morbus Bechterew verlaufen chronisch und befallen vorwiegend Knochen und Gelenke, was zu Gelenkversteifungen führen kann. Dabei sind häufig die Lenden- und Brustwirbelsäule sowie die Kreuz-Darmbeingelenke betroffen.

Zur Diagnose nimmt der Arzt zunächst eine Anamnese auf, die im Verdachtsfall durch klinische Untersuchungen ergänzt wird. Dabei wird die Beweglichkeit des Bewegungsapparates überprüft und durch bildgebende Verfahren dargestellt. Auch Blutuntersuchungen können Anhaltspunkte für eine Diagnose liefern.

Für Patienten mit Schmerzen und zunehmenden Versteifungen ist wichtig zu wissen, dass es sich bei diesem Beschwerdebild nicht unbedingt um Spondylitis ankylosans handeln muss. Denn das Krankheitsbild von Morbus Bechterew sollte nicht mit dem wesentlich harmloseren Morbus Forrestier (Spondylitis hyperostotica) verwechselt werden, bei dem es „nur“ zu Verknöcherungen ohne Entzündungen kommt.

Symptome und mögliche Folgen von Spondylitis ankylosans

Spondylitis ankylosans zeigt sich oft in Schüben, die phasenweise mit mehr oder weniger starken Symptomen und Beschwerden einhergehen. Wie stark diese ausgeprägt sind, hängt immer vom individuellen Patienten und dem Stadium der Erkrankung ab. Dies bedeutet, dass der Verlauf mild (und nicht selten als Krankheit unerkannt) oder schwerwiegend sein kann.

Diese Symptome treten bei Spondylitis ankylosans auf:

  • tief sitzende und über Monate anhaltende Rückenschmerzen, die nachts zunehmen
  • ausstrahlende Schmerzen in Gesäß und Oberschenkeln
  • steife Glieder, besonders am Morgen
  • auftretende Sehnenerkrankungen, wie zum Beispiel Tennisellenbogen
  • anhaltende Müdigkeit und Gewichtsverlust
  • gelegentliche Schmerzen an Ferse, Knie, Schulter oder beim Husten und Niesen

Weitere Beschwerden, die rund 20 Prozent der Betroffenen aufweisen, sind:

  • Entzündungen der Iris oder von anderen Organen wie Herz, Darm und Nieren
  • Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Entzündungen und Abnutzung der Bandscheiben
  • Osteopenie und Gefahr von Osteoporose

Morbus Bechterew kann sich von Schub zu Schub verschlimmern, immer mehr Verknöcherungen entstehen lassen und schließlich dazu führen, dass die Wirbelsäule steif und verformt wird. Dadurch kommt es zu einer veränderten Körperhaltung, die eine abgeflachte Lendenwirbelsäule und eine gekrümmte Brustwirbelsäule hervorruft. Daraus bildet sich oft ein sichtbarer Buckel, der zudem das Blickfeld der Betroffenen einschränkt. Auch die Beweglichkeit anderer großer Gelenke funktioniert nur noch eingeschränkt und wird oftmals von Arthritis in den Gliedmaßen begleitet.

Als besonders schlimme Folge kann es zu einem Knochenbruch innerhalb der Wirbelsäule kommen, die unter Umständen das Rückenmark verletzt. Daher ist eine frühe Diagnose und zeitnahes Handeln bei Spondylitis ankylosans ganz entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden und die Einschränkungen im Griff zu behalten.

Therapie und Verbreitung bei Morbus Bechterew

Aus schulmedizinischer Sicht ist Morbus Bechterew nicht heilbar, lässt sich aber mit entsprechender Therapie gut behandeln und günstig beeinflussen. Die Behandlungen sind darauf ausgerichtet, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verlangsamen.

Zum einen können Medikamente verabreicht werden, die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken, wie etwa Mittel der nicht-steroidalen Antirheumatika. Sind die Schmerzen sehr stark, können Glucocorticoide gespritzt werden, die meist recht schnell für Linderung sorgen.

Bei sehr schweren Verläufen können auch Immunmodulatoren und TNF-Alpha-Blocker eingesetzt werden, die allerdings das Immunsystem wegen ihrer dämpfenden Wirkung schwächen.

Neben der medikamentösen Behandlung findet therapeutische Krankengymnastik Anwendung, die zur Erhaltung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung dient. Eine weitere Möglichkeit ist ein operativer Eingriff.

Häufig tritt Spondylitis ankylosans zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Während früher die Meinung kursierte, Frauen seien drei Mal so häufig betroffen wie Männer, ist heute bekannt, dass beide Geschlechter gleichermaßen betroffen sind.

Die genannten Therapien können einzeln oder aber kombiniert bei Morbus Bechterew zum Einsatz kommen, was vom jeweiligen Krankheitsverlauf abhängig ist und sorgfältig abgewogen werden sollte.

Tipps zur Remission bei Spondylitis ankylosans

Hier können Sie fünf ganzheitliche Tipps nachlesen, die Spondylitis ankylosans unterstützend zur Remission bringen können. Beachten Sie aber bitte, dass die folgenden Erläuterungen keine Diagnose oder ärztliche Therapie ersetzen und vor Anwendung mit dem Arzt abgeklärt werden sollten.

  1. Da ausreichend Bewegung die physiotherapeutische Behandlung bei Morbus Bechterew positiv ergänzt, sollte diese jeden Tag getätigt werden, bestenfalls an der frischen Luft. Empfehlenswerte Beispiele sind Spaziergänge, Gymnastik, Radfahren und Schwimmen.
  2. Da eine starke Muskulatur die Wirbelsäule stützt, sollten muskelkräftigende Übungen im Bewegungsprogramm enthalten sein.
  3. Nikotinkonsum kann sich negativ auf knöcherne Veränderungen auswirken. Daher sollten Raucher eine Entwöhnung in Erwägung ziehen.
  4. Da überhöhtes Körpergewicht die Wirbelsäule zusätzlich belastet, sollte Übergewicht vermieden werden.
  5. Um die Wirbelsäule zu entlasten, ist eine passende und hochwertige Matratze zwingend notwendig. Diese sollte keine Mulde beim Liegen bilden und auf das Körpergewicht ausgelegt sein.

Natürlich gibt es noch weitere Methoden, welche beschwerdefreie Phasen bei Spondylitis ankylosans begünstigen, die Sie individuell mit Ihrem Arzt oder Therapeuten besprechen können.

Einfluss der Ernährung bei Morbus Bechterew

Die Ernährung nimmt tatsächlich beachtlichen Einfluss bei Morbus Bechterew. So begünstigt zum Beispiel die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure die Entzündungen in Gelenken. Diese kommt in Fleisch und hauptsächlich in Schweinefleisch vor. Besser und empfehlenswerter sind hingegen die Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch und Rapsöl enthalten sind und sich entzündungshemmend auswirken. Auch der Verzicht auf zu viele fetthaltige Lebensmittel kann unterstützend sein und verhindert außerdem belastendes Übergewicht.

Es zeigt sich immer wieder: Gute und gesunde Ernährung ist elementar bedeutend und hilft auch bei Morbus Bechterew dabei, den Krankheitsverlauf zu lindern.

Anmerkung:

In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass alle unsere genannten Empfehlungen keine Diagnostik oder ärztliche Behandlung ersetzen und auch keine individuellen Gesundheitsaussagen oder Heilversprechen treffen.

Autorin: Marion Bunse, Ernährungs- und Gesundheitscoach, Bloggerin

Bildnachweis: Adobe Stock © vectorfusionart

https://www.bechterew.de/was-ist-morbus-bechterew/

https://de.wikipedia.org/wiki/Spondylitis_ankylosans

https://www.netdoktor.de/krankheiten/morbus-bechterew/

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/suche?pattern=morbus+bechterew

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