Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata) ist auch geläufig unter der Bezeichnung MS und beschreibt eine Autoimmunerkrankung, die sich mit chronisch entzündetem Nervensystem darstellt. Im Verlauf der Krankheit werden Nervenstrukturen des Zentralnervensystems (ZNS) angegriffen und zerstört und zahlreiche Symptome ausgelöst. MS zählt im Mitteleuropa zur häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems und betrifft allein in Deutschland mehr als 250.000 Menschen. Multiple Sklerose trägt auch den bezeichnenden Beinamen „Die Krankheit mit tausend Gesichtern“, was auf die unterschiedlichen, schubweisen Verlaufsformen der Autoimmunkrankheit zurückzuführen ist.

Einordnung und Diagnose von Multipler Sklerose (MS)

Zumeist entwickelt sich Multiple Sklerose plötzlich spürbar innerhalb weniger Stunden oder Tage und lässt Betroffenen kaum Zeit zu realisieren, dass etwas nicht in Ordnung ist. So verschiebt sich der Zeitpunkt der Diagnose oftmals nach hinten, da sich Betroffene zuvor noch pudelwohl fühlten und zunächst keinen Argwohn schöpfen. Nur in wenigen Fällen beginnt die Krankheit schleichend.

MS legt zugrunde, dass die äußere Schicht der Nervenfasern im Zentralnervensystem angegriffen wird und es infolgedessen dort zu chronischen Entzündungen kommt. Die betroffenen elektrisch isolierenden Nervenstrukturen werden als Myelinscheiden oder auch Markscheiden bezeichnet. Zum zentralen Nervensystem gehören Rückenmark, Gehirn und Sehnerv.

In der Medizin werden drei Verlaufsformen von Multipler Sklerose unterschieden:

  • remittierende MS, die in Schüben mit beschwerdefreien Phasen verläuft und zu der häufigsten Form zählt
  • primär progrediente MS, die stetig fortschreitet, aber auch in Phasen stattfinden kann
  • sekundär progrediente MS, die sich aus der remittierenden MS entwickelt und übergeht in die primär progrediente MS

Zur Diagnose von MS können verschiedene Untersuchungen herangezogen werden. Nach der Anamnese werden körperliche und neurologische Tests herangezogen, wie etwa die Kernspintomografie, Liquordiagnostik sowie Analysen von Blut und Urin.

Treten erstmals Symptome auf, die einer MS zwar ähneln, aber deren Kriterien nicht erfüllen, ist bei Medizinern von einem Klinisch-Isolierten-Syndrom (KIS) die Rede. Beachtenswert für Patienten ist hierbei, dass diese Diagnose nicht zwingend zu einer tatsächlichen Multiplen Sklerose führen muss, sondern lediglich kann!

Symptome und Prognose bei Multipler Sklerose (MS)

Die Symptome von MS sind vielfältig, allerdings kann zu Beginn der Erkrankung auch nur ein einzelnes Symptom vorhanden sein, was sehr häufig der Fall ist. Auch wegen der Unterschiedlichkeit der Beschwerdebilder wird Multiple Sklerose als „Die Krankheit mit tausend Gesichtern“ beschrieben.

Diese Symptome treten bei beginnender MS häufig auf:

  • Gefühlsstörungen und Taubheitsgefühl in Beinen, Rumpf und Gesichtshälften
  • Sehstörungen, Schmerzen und Schwindel
  • anhaltende Müdigkeit und schnelle Erschöpfung
  • depressive Verstimmungen und Konzentrationsprobleme
  • Gangstörungen und Lähmungserscheinungen der Extremitäten
  • anhaltende Störungen beim Wasserlassen, der Blasenkontrolle und beim Sex

Es wird häufig beobachtet, dass starke Hitze die MS-Symptome verschlimmert, was in der Medizin als Uhthoff-Phänomen bezeichnet wird.

Frauen erkranken mehr als doppelt so häufig an remittierender Multipler Sklerose wie Männer. Bei der primär progredienten MS-Form liegt die weibliche und männliche Prävalenz in etwa gleich.

Meist tritt die Autoimmunerkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Allerdings erhalten auch immer häufiger Kinder, Jugendliche und Menschen ab dem 45. Lebensjahr eine MS-Diagnose.

An kindlicher MS erkranken etwa drei bis fünf Prozent. Betroffene Kinder erfahren die Erkrankung typischerweise schubweise, wobei die Schübe sehr viel häufiger und schwerer auftreten als bei Erwachsenen. Allerdings verlaufen die Remissionen wesentlich besser und angenehmer für die kleinen Patienten.

Ursachen von Multipler Sklerose (MS)

Die Ursachen von Multipler Sklerose sind nicht eindeutig geklärt und beruhen mit Wahrscheinlichkeit auf mehreren Faktoren. Es wird angenommen, dass unter anderem genetische Veranlagung, Vitaminmangel, Umweltgifte, Rauchen und Infektionen eine Rolle spielen.

Heilbar ist MS aus Sicht der Schulmediziner nicht, kann aber in ihrem Verlauf durch kontinuierliche und konsequente Behandlung günstig beeinflusst werden, wodurch die Prognose den Stellenwert einer verbesserten Lebensqualität erhält.

Behandelnde Therapie bei Multipler Sklerose (MS)

Zwar ist Multiple Sklerose aus medizinischer Sicht nicht heilbar, doch es gibt behandelnde Therapien, die sich am individuellen Krankheitsbild der Patienten orientieren und entsprechend eingesetzt werden. Diese Therapien lassen sich unterteilen in Schubtherapie, Langzeittherapie und Behandlung der Symptome. Ebenfalls bedeutend ist die Rehabilitation bei funktioneller Beeinträchtigung von Patienten, die physiotherapeutisch und neurologisch betreut wird.

Der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten kann das Fortschreiten von MS und die Dauer der Schübe bremsen. So werden häufig hochdosierte Glucocorticoide eingesetzt, die physiologisch und therapeutisch auf das Nervensystem, den Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem wirken. Außerdem wirken sie immunsuppressiv, was bedeutet, dass die Immunreaktionen des Körpers abgemildert werden. Da Multiple Sklerose zu den Autoimmunkrankheiten zählt, wird diese Wirkweise in der Schulmedizin als positiv eingestuft.

Tipps zur Remission bei Multipler Sklerose (MS)

Nachstehend erfahren Sie fünf allgemeine Tipps, welche die Remission bei MS – also die beschwerdefreie Zeit zwischen den Schüben sowie den Verlauf der Erkrankung – günstig beeinflussen können. Außerdem können die Hinweise dazu dienen, bereits Ungeborene vor Multipler Sklerose zu schützen.

Beachten Sie bitte, dass die folgenden Erläuterungen keine Diagnostik oder ärztliche Behandlung ersetzen. Zudem sollte deren Anwendung nur nach individueller Absprache mit dem Arzt erfolgen.

  1. Da Vitamin D den Verlauf einer MS lindert, sollte es regelmäßig zugeführt und ein Vitamin-D3-Mangel verhindert werden. Zudem kann der Mangel an Vitamin D in der Frühschwangerschaft zu einem 90 Prozent höheren Risiko führen, dass das Kind später an MS erkrankt, wie eine Studie ergab.
  2. Da Sonnenlicht den Körper anregt, wichtiges Vitamin D zu bilden, sind tägliche Aufenthalte im Freien ratsam.
  3. Da Raucher 1,5-mal häufiger an MS erkranken als Nichtraucher, ist es naheliegend, sich das Rauchen abzugewöhnen. Außerdem begünstigt der Konsum von Nikotin einen wesentlich aggressiveren Krankheitsverlauf, wie aus Studien hervorgeht.
  4. Da MS-Patienten sehr häufig unter Depressionen leiden, sind entspannende Bewegungstechniken, wie zum Beispiel Yoga sehr empfehlenswert, sofern es der Bewegungsapparat zulässt. Spaziergänge im Sonnenschein sind eine gute Alternative, heben die Stimmung, lassen Vitamin D auftanken und helfen dabei, Übergewicht zu vermeiden.
  5. Um den Bewegungsapparat beweglich zu halten, sollten die angeleiteten Übungen aus der Physiotherapie auch zu Hause trainiert werden.

Für den Körper sind alle Nähr- und Vitalstoffe wichtig, doch gerade das Vitamin D spielt bei MS eine große Rolle, weswegen Sie den Vitamin-D3-Spiegel regelmäßig kontrollieren lassen sollten.

Mit guter Ernährung Multiple Sklerose (MS) lindern

Obwohl manche Mediziner stetig wiederholen, dass gute Ernährung keine wissenschaftlich belegten Auswirkungen auf Multiple Sklerose hätte, bauen rund 30 Prozent aller MS-Patienten eine gesunde Ernährungsweise in ihren Alltag ein. Gut so, denn Erfolge sind nicht selten, da die Ernährung durchaus Einfluss auf die körperlichen Mechanismen nimmt und somit indirekt auch auf MS.

Nachstehend einige Beispiele:

Es wurde beobachtet, dass MS-Patienten von glutenfreien Lebensmitteln profitieren. Und die Zufuhr von überwiegend fettarmen Nahrungsmitteln sorgte bei vielen Betroffenen nach sechs Monaten für weniger Müdigkeit, die häufig als Symptom auftritt. Auch Übergewicht, welches MS begünstigt, wird so vermieden. Zudem kam eine 2017 durchgeführte Studie unter 7.000 MS-Betroffenen zu der Erkenntnis, dass jene mit guter, ausgewogener und gesunder Ernährung seltener unter Depressionen, Schmerzen und Einschränkungen der Extremitäten litten.

Von daher ist gute Ernährung mit wenig Zucker und Fleisch, hingegen mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sicherlich hilfreich, um die Beschwerden bei Multipler Sklerose unterstützend zu lindern.

Anmerkung:

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass diese Empfehlungen keine Diagnostik oder ärztliche Behandlung ersetzen und auch keine individuellen Gesundheitsaussagen oder Heilversprechen treffen.

Autorin: Marion Bunse, Ernährungs- und Gesundheitscoach, Bloggerin

Bildnachweis: Adobe Stock © Юлия Завалишина

https://de.wikipedia.org/wiki/Multiple_Sklerose

https://www.netdoktor.de/krankheiten/multiple-sklerose/

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/suche?pattern=multiple+sklerose

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