Kribbeln oder Brennen in Füßen und Beinen können Zeichen einer Nervenkrankheit sein

Die Polyneuropathie wird auch synonym Periphere Neuropathie (kurz PNP) genannt und steht dafür, dass viele oder vermehrte Schäden an peripheren Nerven auftreten. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, da sie auf verschiedenen Ursachen beruht und in einer bestimmten Form auch als Autoimmunerkrankung eingeordnet werden kann. In der Folge der Nervenkrankheit werden Nerven entweder motorisch, sensibel oder vegetativ beeinträchtigt – oder sogar von allem gemeinsam betroffen. Wird Polyneuropathie nicht früh genug erkannt und behandelt, kommt es häufig zu irreversiblen Nervenschäden, welche die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken.

Ursachen der Polyneuropathie und ihre Form der Autoimmunkrankheit

Als häufigste Ursachen von Polyneuropathie gelten Alkoholmissbrauch und Diabetes mellitus. Durch den hohen Blutzuckerspiegel kommt es zu einer nicht ausreichenden Durchblutung, wodurch die Nerven unterversorgt werden. Eine direkte Nervenschädigung kann aber auch direkt durch eine zu hohe Zuckerkonzentration im Blut erfolgen.

Es gibt viele weitere Ursachen, wie zum Beispiel als Folge durch andere Erkrankungen, Infektionen oder Vergiftungen. Letzteres hört sich für manchen unglaublich an, doch es ist erwiesen, dass Chemikalien die Nervengesundheit beeinträchtigen und zu einer Peripheren Neuropathie führen können. Praxisnahe Beispiele sind das Arbeiten mit Lösungsmitteln oder Pflanzenschutzmitteln oder Zahnfüllungen aus Amalgam. Auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann als Ursache herangezogen werden. Weitaus seltener, aber gleichwohl möglich sind genetische Veranlagungen.

Als Folgekrankheit oder begleitende Krankheit tritt die Polyneuropathie nicht nur bei der Zuckerkrankheit oder dem Alkoholismus auf, sondern kann sich zum Beispiel auch bei Gürtelrose, HIV oder einer Autoimmunkrankheit einstellen. Außerdem gibt es eine spezielle Form der Autoimmunerkrankung, die sogenannte chronische entzündliche demyelinisierenden Polyneuropathie (kurz CIDP), die in Schüben verläuft oder über einen längeren Zeitraum hinweg stetig zunimmt. Hierbei führt ein gestörtes Immunsystem zur Schädigung der Nerven in Armen und Beinen, was Lähmungen und Empfindungsstörungen hervorruft.

Nicht zu vergessen ist eine andauernde Fehlernährung, die eine erhöhte Anzahl der freien Radikalen verursacht und zur Nervenschädigung der Polyneuropathie führen kann.
Aktuellen Studien zufolge nimmt man an, dass Infektionskrankheiten, wie z. B. Borreliose, ebenso in Verdacht stehen könnten, eine Polyneuropathie auszulösen.

Symptome und Verlauf bei Peripherer Neuropathie

Polyneuropathie wird deswegen auch als Periphere Neuropathie bezeichnet, weil es sich bei den betroffenen Nerven um solche außerhalb des zentralen Nervensystems handelt. Gemeint sind Nerven in Beinen und Armen oder jene, die zur Versorgung der inneren Organe dienen.

Kommt es zu einer Schädigung der Nerven, wird die „Kommunikation“ zwischen den betroffenen Körperteilen und dem Gehirn unterbrochen bzw. gestört. Je nach betroffenem Nervenfasertyp kommt es infolgedessen zu diesen Symptomen:

  • eingeschränkte Beweglichkeit der Muskeln
  • Missempfindungen wie etwa Taubheitsgefühle
  • quälende Schmerzen
  • Lähmungserscheinungen

Außerdem kann eine Periphere Neuropathie diese Begleiterscheinungen hervorrufen:

  • Kribbeln in Armen und Beine
  • Muskelschwäche und Muskelkrämpfe
  • Störungen der Blasenfunktion
  • Verstopfung oder Durchfall
  • Impotenz
  • Taubheit

Das Auftreten einer PNP ist auf kein Alter begrenzt und kann jeden Menschen in jeder Lebensphase betreffen. Betroffen sind beispielsweise 60 Prozent der Diabetiker, da Periphere Neuropathie eine häufige Folgeerkrankung von Diabetes ist.

Diagnose von Polyneuropathie

Je früher die Diagnose einer bestehenden Polyneuropathie gestellt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Daher ist es ratsam, bei typischen Beschwerden baldmöglichst einen Arzt aufzusuchen. Er wird entscheiden, ob die Abklärung der Symptome durch einen Kollegen der Neurologie oder in einer Klinik vorgenommen werden sollte.

Doch zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese, die Beschwerden, Grunderkrankungen und Vorerkrankungen abfragt. Hinweise des Patienten auf den etwaigen Umgang mit Giftstoffen oder den Konsum von Drogen und Alkohol helfen dem Arzt bei der Ursachenfindung und Diagnostik.

Im Anschluss daran wird eine körperliche Untersuchung vorgenommen, die beispielsweise die Reflexprüfung und Feststellung von eventuellen Fehlbildungen des Skeletts beinhaltet.

Je nach Befund können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie etwa die Elektroneurografie – mit der die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird – oder die Elektromyografie, mit der die Muskelaktivität geprüft wird.

Weitere Möglichkeiten zur Diagnose von Polyneuropathie bieten ein EKG, der Ultraschall, eine Nervenbiopsie oder eine Blutuntersuchung, die aufschlussreiche Laborwerte liefern kann.

Ganzheitliche Therapien bei PNP

Um eine Therapie erfolgreich anzugehen ist es wichtig, zunächst die Ursache der PNP zu kennen. Stellt man fest, dass beispielsweise Arzneimittel, Tabak oder alkoholische Genussmittel zum Krankheitsbild geführt haben, versucht man diese als erste Therapiemöglichkeit zu meiden. Weiterhin bietet sich die Zufuhr von Vitamin-B12 für die Regeneration geschädigter Nervenfasern an, da ein entsprechender Mangel zu neurologischen Schäden führen kann. In pflanzlichen Produkten kommt Vitamin-B12 allerdings kaum vor. Abhilfe können entsprechende Kapseln schaffen. Das Augenmerk sollte auch auf dem Vitamin-D-Spiegel liegen, da aktuelle Studien belegen, dass Polyneuropathie und Vitamin-D-Mangel eng zusammenhängen.

Eine diabetische Polyneuropathie lässt sich heutzutage sehr gut behandeln. Hier greifen vor allem die ganzheitlichen Therapiemöglichkeiten des Diabetes Mellitus Typ 2. Erfahrungswerte zeigen, dass ein sinkender Blutzuckerspiegel nach einigen Monaten auch eine Polyneuropathie in Remission bringen kann. Ebenso wurde von Therapieerfolgen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM – das 5-Säulen Modell) in Form von Akupunktur, Moxibustion, Tuina-Massagen, Ernährung und Qi Gong berichtet.

Zur weiteren Behandlung der diabetischen Polyneuropathie kann auch die Einnahme von Alpha-Liponsäure, ein entgiftendes Antioxidans, helfen. Die schwefelhaltige Fettsäure (Thioctsäure) bindet direkt in der Zelle die Giftstoffe an sich und leitet diese aus dem Körper aus. Als Tagesdosis empfiehlt sich hier 1200 bis 1800 Milligramm, die dreimal über den Tag verteilt eingenommen wird. In den ersten drei Therapie-Wochen sollte die Alpha-Liponsäure jedoch besser per Infusion verabreicht werden. Unterstützend kann
N-Acetylcystein zur Bildung von Glutathion und Schutz der Leber eingenommen werden. Dies empfiehlt sich gerade dann, wenn die diagnostizierte Polyneuropathie auf eine Vergiftung beruht.

Als weitere Nahrungsmittelergänzungen bieten sich wie folgt an:

  • Magnesium (ca. 800 mg, die in zwei Dosen täglich verabreicht werden sollten)
  • Vitamin B-Komplex (die Tagesdosis Vitamin B6 sollte keine 100 mg übersteigen)
  • Vitamin D3/K2 (1800 bis 4000 IE als tägliche Dosis, abhängig vom Körpergewicht)

Zusätzlich konnten Symptome von Polyneuropathie gelindert werden durch die Einnahme von Nachtkerzenöl, Verdauungsenzymen, Rizinusölpackungen sowie Helmkraut. Inzwischen werden sogar in Deutschland von einigen TCM-Spezialkliniken ganzheitliche Polyneuropathie-Therapien angeboten.

Trotz der vielfältigen bekannten Ursachen lässt sich bedauerlicherweise oft der auslösende Faktor der PNP nicht mehr feststellen, was die Auswahl einer Therapie erschweren kann. Es kommt sogar vor, dass sich überhaupt keine Ursache mehr festmachen lässt. Eine frühzeitige Erkennung der Erkrankung wirkt sich aber stets positiv auf deren Verlauf aus, da weitere Nervenschäden durch eine entsprechende Behandlung vermieden werden können.

Als sehr erfolgversprechende Therapie der Peripheren Polyneuropathie gilt die Beseitigung der Auslöser, was natürlich nur möglich ist, sofern diese als ursächlich festgestellt werden konnten. Weiterhin lassen sich auftretende Symptome durch diverse Maßnahmen lindern. Dazu zählen Schmerzmittel, Antidepressiva, krampflösende Medikamente, elektromedizinische Reizstromtherapie (TENS) und Ergotherapie mittels Krankengymnastik, Wechselbäder und Wickel. Zudem können orthopädische Hilfsmittel herangezogen werden, wenn der Patient sehr stark in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Eine Bewegungstherapie kann den Blutzuckerspiegel überwachen und die Durchblutung anregen. Somit kann dem Krankheitsverlauf der PNP entsprechend weiter vorgebeugt werden.

In Fällen nicht eruierbarer Ursachen oder in Verbindung mit Autoimmunerkrankungen kommt es vor, dass von der Schulmedizin Arzneimittel verordnet werden, die auch bei Angststörungen und Epilepsie eingesetzt werden. Dies soll der Drosselung von starken Schmerzen dienen, führt aber oft aufgrund der vielen Nebenwirkungen wie beispielsweise Angststörungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen zur Unverhältnismäßigkeit. Viele an PNP erkrankte und derart behandelte Patienten sprechen davon, dass die mehr als unangenehmen Nebenwirkungen stärker ausgeprägt sind als die Linderung ihrer Schmerzen.

Körperentgiftung

Auch Schwermetalle, Medikamente und andere Gifte können eine Polyneuropathie verursachen. Hier empfiehlt sich eine

Wir empfehlen, eine Körperentgiftung nicht selbst durchzuführen, sondern einen entsprechenden medizinischen Fachmann oder Heilpraktiker hinzuzuziehen.

Tipps zur hilfreichen Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist bei Polyneuropathie hilfreicher, als manche glauben mögen.
Es beginnt mit dem wichtigen Verhältnis der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, welches ausgewogen sein sollte. Grund dafür ist, dass unsere Nerven zum großen Teil aus Fett bestehen und auf hochwertige zugeführte Stoffe angewiesen sind. Möchten Sie Omega-6-Fettsäuren reduzieren, sollten Sie wissen, worin diese vorkommen. Dazu zählen beispielsweise Schweinefleisch, Rindfleisch, Eier, Milch, Sonnenblumenöl und Distelöl. Als Alternativen bei den Ölen gelten Olivenöl, Leinöl und Kokosöl, worin auch die begehrten entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren enthalten sind.

Weiterhin sind basenüberschüssige Lebensmittel von Vorteil sowie frische und vitalstoffreiche Zutaten, die obendrein frei von Geschmacksverstärkern sein sollten, da sich diese negativ auf das Nervensystem auswirken. Ebenso kann auch eine vegane und fettarme Ernährung hilfreich bei Polyneuropathie sein. Meiden Sie vor allem ungünstige Lebensmittel wie Zucker, gesüßte Säfte, Weißmehlprodukte sowie Fertiggerichte.

Anmerkung:

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass alle hier genannten Empfehlungen keine Diagnostik oder ärztliche Behandlung ersetzen und auch keine individuellen Gesundheitsaussagen oder Heilversprechen treffen.

Autorin: Marion Bunse, Ernährungs- und Gesundheitscoach, Bloggerin

Bildnachweis: Adobe Stock © Bernhard Schmerl

https://www.netdoktor.de/search/?q=polyneuropathie

https://www.netdoktor.de/krankheiten/polyneuropathie/

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/artikel/nerven/polyneuropathie

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyneuropathie

0 0 votes
Artikelbewertung